645.11

Vollzugsverordnung
zur Bundesgesetzgebung über den Tierschutz

vom 21. September 19822

Landammann und Regierungsrat des Kantons St.Gallen

erlassen

in Ausführung der Bundesgesetzgebung über den Tierschutz3

als Verordnung:

I. Zuständigkeit und Aufgaben

Gesundheitsdepartement

Art. 1.4

1 Das Gesundheitsdepartement übt die Aufsicht über den Vollzug der Bundesgesetzgebung über den Tierschutz5 aus.

Amt für Berufsbildung

Art. 2.6

1

Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz

Art. 3.7

1 Das Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz vollzieht die Bundesgesetzgebung über den Tierschutz8, soweit diese Verordnung nichts anderes bestimmt.

2 Es hat insbesondere folgende Aufgaben:

a) Erteilung und Entzug von Bewilligungen9;

abis) Aufsicht über die Ausbildung der Tierpfleger, insbesondere Anerkennung der Ausbildungsbetriebe10 und -kurse11, Durchführung der Prüfungen in Zusammenarbeit mit den Veranstaltern der Ausbildungskurse12 sowie Erteilung von Fähigkeitsausweisen13 und von Ausnahmebewilligungen an Personen ohne Fähigkeitsausweis14;

b) Entscheid über die Bewilligungspflicht von Tierversuchen15 nach Anhören der Tierversuchskommission;

c) Anordnung von Tierhalteverboten16;

d) Einschreiten bei starker Vernachlässigung oder völlig unrichtiger Haltung von Tieren17;

e) Überprüfung der gewerbsmässigen Wildtierhaltung und der Tierhandlungen18;

f) Anerkennung von zoologischen Gärten und Tierparks für den Handel mit Affen und Halbaffen sowie mit Raubkatzen19;

g) Zustellung von Kopien der Bewilligungen und von Meldungen nach Art. 63 Abs. 3 der eidgenössischen Tierschutzverordnung20 an das Bundesamt für Veterinärwesen.

Tierversuchskommission21

a) Zusammensetzung

Art. 4.22

1 Der Tierversuchskommission23 gehören vom Regierungsrat ernannte Fachleute für Versuchstierkunde, Tierversuche und Tierschutzfragen an.

2 Sie konstituiert sich selbst. Das Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz führt das Sekretariat.

b) Aufgaben

Art. 5.24

1 Die Tierversuchskommission:

a) berät das Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz in den mit Tierversuchen zusammenhängenden Fragen;

b) überwacht Institute und Laboratorien, die Versuchstiere halten oder Tierversuche durchführen25;

c) kontrolliert die Durchführung der Tierversuche, die Tierbestandeskontrollen26 und die Protokolle27 der Tierversuche.

2 Kontrollen werden von wenigstens zwei Mitgliedern durchgeführt und in einem Protokoll zuhanden des Amtes für Gesundheits- und Verbraucherschutz festgehalten. Der kontrollierte Betrieb erhält eine Kopie.

Politische Gemeinde

Art. 6.28

1 Die politische Gemeinde unterstützt das Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz. Sie bezeichnet eine Person, welche für die Überwachung der Tierhaltung zuständig ist.

2 Vorbehalten bleibt Art. 3 Abs. 2 lit. e dieser Verordnung.

Fleischkontrolleur29

Art. 7.

1 Der Fleischkontrolleur30:

a) überprüft den Zustand der Tiere beim Eintreffen im Schlachtbetrieb;

b) überwacht den Auslad, die Haltung, das Treiben, die Betäubung und das Entbluten der Tiere.

2 Er führt Stichproben in Betrieben durch, in denen er nicht ständig anwesend ist.

Zusammenarbeit und Beizug von Sachverständigen

Art. 8.

1 Die zuständigen Organe arbeiten mit Tierschutz- und Tierhalterorganisationen zusammen.

2 Sie können Sachverständige beiziehen.

II. Meldungen, Kontrollen und Kaution

Meldungen

a) Wildtierhaltung31

Art. 9.32

1 Der Wildtierhalter meldet wesentliche Änderungen an Bauten zur Haltung von Wildtieren und im Tierbestand dem Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz.33

b) Tierversuche34

Art. 10.35

1 Der Bewilligungsinhaber meldet dem Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz:

a) die Zahl der Versuchstiere. Bei längerdauernden Versuchen ist bis Ende Februar die Zahl der im abgelaufenen Jahr verwendeten Versuchstiere anzugeben;

b) den Abschluss von Tierversuchen innert zweier Monate nach Versuchsende36.

c) Wettkämpfe sowie Abrichten und Prüfen von Bodenhunden

Art. 11.37

1 Der Veranstalter meldet sportliche Wettkämpfe mit Tieren sowie das Abrichten und das Prüfen von Bodenhunden an Kunstbauten spätestens vierzehn Tage vor der Durchführung dem Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz.

Tierbestandeskontrolle38

a) Grundsatz

Art. 12.

1 Die Tierbestandeskontrolle39 gibt Auskunft über:

a) Art und Anzahl;

b) Datum des Erwerbs oder der Geburt;

c) Datum der Abgabe oder des Todes einschliesslich der Todesursache;

d) Herkunft und Abnehmer.

b) Ausnahmen

Art. 13.

1 Süsswasserfische und Futtertiere müssen nicht in die Tierbestandeskontrolle40 aufgenommen werden. Bei Tierhandlungen beschränkt sich die Tierbestandeskontrolle41 auf:

a) Wildtiere, die nach Art. 39 und 40 der eidgenössischen Tierschutzverordnung42 nur mit Bewilligung gehalten werden dürfen;

b) Hunde und Katzen;

c)43 Papageien und Sittiche.

2 Versuchstierhalter haben die Versuchsserie anzugeben.

c) Aufbewahrung

Art. 14.

1 Die Tierbestandeskontrolle44 ist während zweier Jahre nach Abgabe oder Tod der aufgeführten Tiere aufzubewahren.

d) ergänzende Weisungen

Art. 15.45

1 Das Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz kann ergänzende Weisungen für die Führung der Tierbestandeskontrolle46 erlassen.

2 Es kann insbesondere anordnen, dass Tiere markiert und die Kennzeichen in der Tierbestandeskontrolle47 aufgeführt werden.

e) Kontrollen

Art. 16.

1 Den Aufsichts- und Vollzugsorganen ist auf Verlangen:

a) Auskunft zu erteilen;

b) Zutritt zu Tierhaltungs-, Tiertransport- und Tierversuchseinrichtungen zu gewähren;

c) Einsicht in die nach der Bundesgesetzgebung über den Tierschutz48 zu führenden Unterlagen zu gewähren;

d) das Untersuchen von Tieren zu gestatten.

Kaution49

Art. 17.

1 Für Bewilligungen zu gewerbsmässiger Wildtierhaltung und gewerbsmässigem Handel mit Tieren ist eine Kaution50 zu hinterlegen. Deren Höhe richtet sich nach dem Tarif über Entschädigungen und Gebühren im Veterinärwesen51.52

2 Die Kaution53 kann in bar oder als Bankgarantie geleistet werden.

3 Barkautionen werden auf einem Sparheft der Kantonalbank angelegt. Der aufgelaufene Zins wird bei Rückgabe der Kaution54 zurückgezahlt.

III. Schlussbestimmungen

Übergangsbestimmung

Art. 18.55

1

Änderung bisherigen Rechts

a) Verordnung über die Vergütungen an Kommissionen und Experten der staatlichen Verwaltung

Art. 19.

Der Anhang B zur Verordnung über die Vergütungen an Kommissionen und Experten der staatlichen Verwaltung vom 10. Februar 197056 wird wie folgt geändert:

214.0 (neu). Tierversuchskommission

214.6 (neu). Sachverständige für Tierschutz und Tierhaltung

b) Gebührentarif für die Staats- und Gemeindeverwaltung

Art. 20.57

1

c) Jagdverordnung

Art. 21.

58

d) Vollzugsverordnung zum Gesetz über die Strafrechtspflege

Art. 22.

59

Aufhebung bisherigen Rechts

Art. 23.

1 Art. 90 bis 92 der Verordnung über die Bekämpfung von Tierseuchen (Tierseuchenverordnung) vom 21. Dezember 197160 werden aufgehoben.

Vollzugsbeginn

Art. 24.

1 Diese Verordnung wird nach Genehmigung des Bundesrates ab 1. Januar 1983 angewendet.




1   Die VV zur Bundesgesetzgebung über den Tierschutz trug vormals die systematische Ordnungsnummer 673.1.

2   nGS 26–99. Vom Bundesrat genehmigt am 18. November 1982; in Vollzug ab 1. Januar 1983. Geändert durch Abschnitt II des Nachtrags zur BBV vom 27. Januar 1987, nGS 22–10 (sGS 231.11); Ziff. 3 der Schlussbestimmungen des TEGV vom 9. Juli 1991, nGS 26–98 (sGS 643.72); Abschnitt II Ziff. 32 des VII. Nachtrags zur EDBO-MS vom 15. Januar 1996, nGS 31–31 (sGS 143.4); Abschnitt II Ziff. 31 des VI. Nachtrags zum GeschR vom 30. Oktober 2007, nGS 42–101 (sGS 141.3).

3   Eidg Tierschutzgesetz vom 9. März 1978, SR 455.

4   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

5   Eidg Tierschutzgesetz vom 9. März 1978, SR 455.

6   Aufgehoben durch Abschnitt II des Nachtrags zur BBV.

7   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

8   Eidg Tierschutzgesetz vom 9. März 1978, SR 455.

9   Art. 6, 8 Abs. 1 und Art. 13 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455; Art. 33 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

10   Art. 8 Abs. 2 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

11   Art. 8 Abs. 3 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

12   Art. 9 Abs. 2 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

13    Art. 9 Abs. 3 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

14   Art. 11 Abs. 3 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981,SR 455.1.

15   Art. 60 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

16   Art. 24 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455.

17   Art. 25 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455.

18   Art. 44 und 49 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

19   Art. 50 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

20    SR 455.1.

21   Art. 18 Abs. 1 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455.

22   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

23   Art. 18 Abs. 1 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455.

24   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

25   Art. 18 Abs. 1 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455; Art. 63 Abs. 1 und 2 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

26   Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

27   Art. 17 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455.

28   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

29   Geändert durch VII. Nachtrag zur EDBO-MS.

30   Geändert durch VII. Nachtrag zur EDBO-MS.

31   Art. 6 des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455; Art. 35 ff. der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

32   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

33    Art. 44 Abs. 2 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

34   Art. 12 ff. des eidg Tierschutzgesetzes vom 9. März 1978, SR 455; Art. 58 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

35   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

36   Art. 63 Abs. 3 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

37   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

38   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

39   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

40   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

41   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

42   Eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

43   Geändert durch VII. Nachtrag zur EDBO-MS.

44   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

45   Geändert durch VI. Nachtrag zum GeschR.

46   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

47   Art. 44 Abs. 1, Art. 49 Abs. 2 und Art. 63 Abs. 1 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

48   Eidg Tierschutzgesetz vom 9. März 1978, SR 455.

49   Art. 68 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

50   Art. 68 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

51   sGS 643.72.

52   Fassung des zweiten Satzes gemäss Ziff. 3 der Schlussbestimmungen des TEGV.

53   Art. 68 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

54   Art. 68 der eidg Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981, SR 455.1.

55   Aufgehoben durch VII. Nachtrag zur EDBO-MS.

56   sGS 145.1.

57   Überholt durch Ziff. 1 der Schlussbestimmungen des GebT, sGS 821.5.

58   Überholt durch II. Nachtrag zur JV, nGS 40–18 (sGS 853.11).

59   Überholt durch StPV, sGS 962.11.

60   sGS 643.12.